Huglfing, 03.09.2018 

Das GT4 European Series Rennwochenende auf dem Hungaroring wurde zum Wetterstrategiespiel der Teams. Obwohl man bei fast 30 Grad startete, öffnete der Regengott später seine Tore. Allied Racing’s Junior Nic Schöll war der Gewinner des Wochenendes. Gleich zweimal nahm er den Siegespokal der AM-Kategorie entgegen.

Im Rahmen des Blancpain GT Series Sprint Cups startete auch die GT4 European Series ins vorletzte Rennwochenende der Saison. Während unser Junior-Pilot Nicolas Schöll zwei Siegeserfolge erzielen konnte, kämpften Jan Kasperlik und Henri Kauppi mit den Wetterkapriolen – beide Autos wurden mit unterschiedliche Reifenstrategien an den Start gebracht.  Am Ende reichte es für’s zweite Allied Racing Duo für die Plätze 25 (P10 PRO-AM) und 18 (P6 PRO-AM). 

Zeitenjagd im Qualfying: 

Wenn fast 15 Fahrer innerhalb einer Sekunde liegen, ist eines klar: Das Niveau der GT4 European Series ist hoch! Während der Team-Neuling Henri Kauppi die Trainingssessions am Freitag hauptsächlich nutzte, um sich an Team, Auto und Strecke zu gewöhnen, zeigten Kasperlik und Schöll eine stetige Steigerung, wenn man sich die Zeiten genauer ansah.

Am Abend wurde es im Qualifying ernst: Henri Kauppi ergatterte für Rennen eins Startplatz 32 – Teamkollege Jan Kasperlik den 24. Platz für das Sonntagsrennen. Nic Schöll, der am Wochenende beide Rennen alleine bestritt, erreichte die 13. und 9. beste Rundenzeit. 

Nic Schöll gewinnt als Pokerkönig den Siegespokal

Ein etwas anderes Rennen als gewohnt erwartete das 45 Fahrzeuge Feld am Samstagmittag. Wie schon am Vortag herrschten drückende Temperaturen weit über der 25 Grad Marke. Doch die Rechnung hatten die Teams ohne den Regengott gemacht, der ab der Hälfte der Renndistanz seine Schleusen öffnete. Platzregen füllte die rund 4,381 Kilometer lange Strecke. Neben dem Fahrerwechsel musste also diesmal auch der Reifenwechsel reibungslos laufen. Nic Schöll war eindeutig der Gewinner des Pokerspiels. Er blieb lange draußen und hielt sich aus dem Chaos in der Boxengasse raus. Erst kurz vor Ende des Boxenstoppfensters kam er rein und entschloss sich dazu keinen Reifenwechsel zu vollziehen, was ihm 35 Sekunden Vorsprung brachte, da bei Wechsel des Reifentypens die Standzeit sich um diese 35 Sekunden verlängert. Der Regen nahm jedoch weiter zu und ein Gewitter überzog die ungarische Strecke. Die Rennleitung entschloss sich das Feld hinterm Safety-Car zu sammeln und das Rennen wenig später mit der roten Flagge vorzeitig zu beenden. Glück für Nic! Denn damit wurde er gesamt fünfter. Und damit nicht genug! Denn das österreichische Talent heimste auch noch den Siegespokal des AM-Klassements ein. Freudig umjubelt vom Team strahlte der gerade mal 17-Jährige auf dem Podium.

Was des einen Freud ist, ist des anderen Leid: Jan Kasperlik und Henri Kauppi waren in deutlich schlechterer Position. Das Team arbeitete schnell, tauschte die Reifen in Windeseile, doch im Regenchaos hinter dem Safety Car blieb keine Chance mehr zum Überholen. Das Rennen wurde frühzeitig abgebrochen, ohne dass die Beiden auch nur eine Position gutmachen konnte. Als 21. wurde das Duo schlussendlich gewertet.

Siegerpokal auch im zweiten Rennen für Junior Schöll

Die ganze Nacht auf Sonntag hat es stark geregnet – Strecke war noch feucht zum Mittag hin und es zeichnete sich dasselbe wie im ersten Rennen ab: jedoch begann es in der Startaufstellung wieder leicht zu regnen an und alle Teams waren sich unsicher, ob die Regen- oder Trockenreifen die bessere Wahl sind – am Ende gingen nur 5 der 43 Autos am Start auf Slicks raus – der Rest auf Regen – so auch wir – bei beiden Porsche Cayman GT4 wurden Regenreifen aufgezogen. Jan Kasperlik legte einen sagenhaften Raketenstart hin und war bereits nach der zweiten Rennrunde auf Platz zehn liegend nur zwei Plätze hinter dem Junioren Schöll im Schwester Porsche. Nach dem Boxenstop war der Porsche mit der Startnummer 43 auf P7 gesamt und P1 in der Pro/Am. Mittlerweile war die Idealllinie trocken – jedoch erneut leichter Regen. Aufgrund der Unerfahrenheit von Kauppi entschloss man sich auf Regen zu bleiben – man spart sich ja die 35 Sekunden extra Standzeit. Kauppi hatte größere Probleme sich an die Regennasse/Freuchte Farbahn anzupassen und verlor anfangs leider deutlich. Erst am Ende seines Stints bei abtrocknender Strecke ging es zeitenmässig nach vorne.
Schlussendlich konnte er den Porsche als gesamt 18. über die Ziellinie bringen. Im PRO/AM Klassements reichte es für den sechsten Platz.


Allied Racing und sein Juniorenprogramm

Das bayerische Rennteam Allied Racing hatte sich in diesem Jahr dazu entschlossen, seinen Fokus auf die Juniorenförderung zu legen. Man entwickelte ein Programm, um Fahrern wie Nicolas Schöll ein Gesamtpaket bieten zu können von der fahrerischen Betreuung bis hin zur Technik. „Das Wochenende hat unsere Arbeit perfekt widerspiegeln können“, kommentiert Teamchef Jan Kasperlik sein Programm. „Nicht nur junge Talente zu erkennen und Ihnen Fahrkilometer zu geben sondern eben auch die Technik am Fahrzeug nahezubringen. Man muss als Rennfahrer heutzutage das Auto schnell auf seine Balance und Fahrbarkeit während den freien Trainings selber beurteilen/abstimmen können – gerade wenn der Zeitplan so eng ist. Dieses Wissen ist ein wesentlicher Teil der Ausbildung – nicht nur Unter-/Übersteuern zu erkennen sondern selber die Möglichkeiten diskutieren ob Änderung der Dämpfersettings, Stabi-Stellung und Achsgeometrien Verbesserung erzielen oder ob einfach die älter werdenden Reifen einen Performanceverlust erklären – natürlich finale Abstimmung immer mit dem Dateningenieur. Nic hat es sich redlich verdient ganz oben auf dem Podium zu stehen. Diese Ergebnisse zeigen den Erfolg unseres Förderprogramms.“ Neben den beiden Siegespokalen rutscht Nic Schölll in der Punktwertung des AM-Klassements auf Platz vier vor.

Das Saisonfinale der GT4 European Series steht kurz bevor: Bereits in zwei Wochen wird am Nürburgring (14.-16.09.) entschieden, wer der Champion 2018 wird.